Mit eindrucksvollen Zahlen, bewegenden Geschichten und einem tiefen Einblick in die Arbeit auf Nord- und Ostsee ist das neue Jahrbuch der Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) erschienen. Auf 127 Seiten dokumentieren die Seenotretter ihr Einsatzjahr 2025 – ein Jahr, das erneut gezeigt hat, wie unverzichtbar ihre Arbeit ist.
Nachdem zunächst alle regelmäßigen Spender ihr Exemplar erhalten haben, ist das Jahrbuch nun auch öffentlich erhältlich: unter anderem im Informationszentrum der Seenotretter am Warnemünder Leuchtturm sowie bei zahlreichen Veranstaltungen, an denen die Retter teilnehmen.
Die Bilanz des Jahres 2025 liest sich eindrucksvoll:
1.723 Einsätze, 135 aus Seenot gerettete Menschen, 327 aus drohender Gefahr befreite Personen sowie insgesamt 3.389 Menschen, denen geholfen wurde. Hinzu kommen 920 Wasserfahrzeuge aller Art, die aus misslichen Lagen geborgen wurden.
Bemerkenswert ist dabei vor allem die Finanzierung: Die DGzRS arbeitet vollständig spendenfinanziert. Allein in den bekannten Spendenschiffchen kamen im vergangenen Jahr exakt 855.375,54 Euro zusammen – gesammelt als „Kleingeld“ in rund 13.000 Sammelschiffchen.
Doch das Jahrbuch ist weit mehr als eine nüchterne Einsatzbilanz. Es erzählt von Menschen, von Schicksalen und von außergewöhnlichem Engagement. Auch Einsätze des in Warnemünde stationierten Seenotkreuzers Arkona finden sich darin wieder.
Eine der bewegenden Geschichten trägt den Titel „Sie haben meinem Vater das Leben gerettet“. Sie schildert den dramatischen Einsatz für einen schwer erkrankten Passagier an Bord der MSC Poesia. Nur wenige Seemeilen nach Reisebeginn musste der 67-Jährige das Schiff verlassen. Die Seenotretter versorgten ihn zunächst medizinisch an Bord, bevor sie ihn sicher an Land dem Rettungsdienst übergaben. Ein persönliches Dankesschreiben seines Sohnes folgte – ein Moment, der zeigt, wie viel diese Einsätze bedeuten (Seite 33).
Auch leise Helden stehen im Fokus: Unter dem Titel „Der Herr der Fremdwährungen“ wird die Geschichte von Udo König erzählt. Seit 1995 hat der 87-Jährige mehr als 30 Tonnen ausländischer Münzen und Banknoten gesammelt und in rund 80.000 Euro Spendengeld verwandelt – ein außergewöhnlicher Beitrag für die Seenotretter (Seite 81).
Dass die Arbeit der Seenotretter weit über die Küsten hinaus geschätzt wird, zeigt das Engagement von Peter Maffay. Bereits vor 35 Jahren besang er „Zwei in einem Boot“ – heute unterstützt er die DGzRS aktiv und sitzt im übertragenen Sinne mit den Rettern im selben Boot (Seite 105).
Kreativität und Herzblut beweist auch Daniel Thomas mit seinem „Weihnachtsschuppen“: In seiner sächsischen Heimat schuf er eine funktionierende Weihnachtspyramide im Stil eines Rettungsschuppens – ein liebevoll gestaltetes Unikat mit maritimem Bezug (Seite 110).
Auch aus der Region kommt tatkräftige Hilfe: Beim Sommerfest der Rostock Port GmbH engagierten sich rund 150 Beschäftigte für die Seenotretter. Durch den Verkauf von 2.000 Tombola-Losen kamen 1.949 Euro zusammen, die das Unternehmen kurzerhand auf 3.898 Euro verdoppelte (Seite 112).
Das Jahrbuch verbindet klassische Reportage mit digitalen Elementen: Zahlreiche QR-Codes führen zu weiterführenden Informationen und ermöglichen zusätzliche Einblicke in die oft spektakulären Einsätze.
So entsteht ein facettenreiches Bild einer Organisation, die rund um die Uhr bereitsteht – finanziert allein durch freiwillige Unterstützung und getragen von Menschen, die Verantwortung übernehmen, wenn andere in Not geraten.
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