Der Warnemünder Segel-Club e.V. (WSC) blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Gegründet im Jahr 1925, zählt er zu den ältesten Segelvereinen Rostocks. Bereits ein Jahr später – also vor genau 100 Jahren – entstand mit dem damaligen Vereinsheim die erste feste Heimat des Clubs.
Nun beginnt für den traditionsreichen Verein ein neues Kapitel: Auf der Warnemünder Mittelmole entsteht ein modernes Ersatz-Vereinsgebäude – an genau jener Stelle, an der seit Jahrzehnten das bisherige Vereinsheim stand.
Die Geschichte des Vereins ist eng mit den politischen Veränderungen des vergangenen Jahrhunderts verknüpft. Zu DDR-Zeiten wurde der WSC zunächst enteignet. In den 1970er Jahren entstand in Eigeninitiative der damaligen BSG Motor Warnowwerft ein Ersatz-Vereinsgebäude, das seither als Heimstätte diente.
Doch das Gebäude war längst in die Jahre gekommen und erfüllte schon lange nicht mehr die Anforderungen eines aktiven Vereins mit großer Kinder- und Jugendabteilung sowie der jährlich stattfindenden Warnemünder Woche.
Es fehlte an vielem: moderne Umkleide- und Sanitärräume, ein dringend benötigter Schulungsraum, ein Büro für die Organisation der Warnemünder Woche und natürlich ein angemessener Clubraum – traditionell mit dem Namen „Uns Logis“. „Ein Neubau musste einfach her“, sagt Vereinsvorsitzender Torsten Schranck.
Bereits 2021 wurde die Bauvoranfrage für das Projekt gestellt. Geplant ist ein zweigeschossiges Vereinsgebäude mit angeschlossener Bootshalle. „Die Baugenehmigung liegt seit Juli 2024 vor“, berichtet Torsten Schranck. Mit der Planung wurde Architektin Ulrike Küster aus Lichtenhagen Dorf beauftragt.
Der Ersatzneubau gliedert sich in zwei Bereiche: das zweigeschossige Vereinsgebäude sowie die Bootshalle. Beide Gebäudeteile werden als Stahlkonstruktion ausgeführt. Dach und Außenwände des Vereinsgebäudes bestehen aus modernen Sandwich-Elementen mit integriertem Dämmkern.
Die Dimensionen orientieren sich bewusst am bisherigen WSC-Gebäude.
Besonders wichtig ist dem Verein die Verbesserung der Bedingungen für die Kinder- und Jugendausbildung. „Sehr wichtig sind uns die Umkleide- und Sanitärräume für Kinder und Jugendliche, um die Nachwuchsarbeit endlich auf ein vernünftiges Niveau zu bringen“, betont Schranck.
Im neuen Vereinsgebäude entstehen zudem Aufenthaltsräume, Büros, Umkleiden, Sanitärbereiche sowie eine Werkstatt. Nicht zu vergessen der lichtdurchflutete Clubraum im Obergeschoss – mit Blick auf den Alten Strom. Selbstverständlich soll auch dieser wieder den traditionsreichen Namen „Uns Logis“ tragen.
Auch an Barrierefreiheit wurde gedacht: Ein Rollstuhllift, ein rollstuhlgerechtes WC sowie ein stufenfreier Zugang sorgen dafür, dass das Gebäude für alle Mitglieder nutzbar wird.
Direkt neben dem Neubau bleibt zudem der historische Bootsschuppen erhalten. Das eingeschossige Holzgebäude dient weiterhin als Lager für die Ausrüstungsgegenstände der Kinder- und Jugendabteilung.
Nachhaltigkeit spielt ebenfalls eine wichtige Rolle: Auf der Südseite des Daches ist eine Photovoltaikanlage mit Speicher vorgesehen, die den überwiegenden Strombedarf decken soll. Beheizt wird das Gebäude bei Bedarf über eine Infrarotheizung.
Auch der Baumschutz wurde berücksichtigt: Zwei größere, nach der Rostocker Baumschutzsatzung geschützte Laubbäume bleiben vollständig erhalten.
Bis der Bau starten konnte, war jedoch viel Geduld gefragt. „Der Behördendschungel war eine große Herausforderung“, sagt Torsten Schranck. So plante der Verein fünf Jahr lang mit einer blauen Fassade – passend zu den Vereinsfarben blau-weiß. Kurz vor Schluss meldete sich jedoch der Denkmalschutz und drängte auf eine graue Farbgebung.
Mehr als eine Million Euro kostet das Projekt insgesamt.
Finanziert wird der Neubau durch verschiedene Bausteine: Eigenmittel des Vereins, zinslose Mitgliederkredite, Spenden, ein Fördermittelbescheid über 500.000 Euro vom Landesförderinstitut Mecklenburg-Vorpommern sowie ein Kredit der Ostseesparkasse.
Auch beim Bau selbst setzt der Verein bewusst auf Regionalität. Hauptauftragnehmer ist die Warnemünder Bau GmbH, den Stahlbau übernimmt die Firma A-MT Hallenbau. Weitere Bauleistungen sollen ebenfalls von regionalen Unternehmen ausgeführt werden.
Der lange und kalte Winter hat den Zeitplan etwas verzögert. Vor allem die Erdarbeiten kamen langsamer voran als geplant. Trotzdem bleibt der Verein optimistisch: Am 6. Mai soll der Stahlbau beginnen. Ziel ist es, dass Ende September bis Mitte Oktober der erweiterte Rohbau steht.
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