Vor 50 Jahren schlossen Regina Sichtling, Norbert Rzepkowski und Wolfgang Wegner gemeinsam mit ihren Mitschülern ihre Berufsausbildung zum Facharbeiter für Maschinen- und Anlagenbau mit Abitur ab. Von 1973 bis 1976 besuchten sie die Berufsschule der Warnowwerft „Kurt Bürger“ in der Heinrich-Heine-Straße in Warnemünde, während die praktische Ausbildung direkt auf der Warnowwerft stattfand. Am 16. Juli 2026 feiert der Abschlussjahrgang sein Goldabitur.
Die Berufsausbildung mit Abitur war ein in der DDR etablierter Bildungsweg. Innerhalb von drei Jahren konnten Jugendliche gleichzeitig die uneingeschränkte Hochschulreife sowie einen Facharbeiterabschluss erwerben. „Es war eine gemischte Klasse mit Lehrlingen von der Warnow- und Neptunwerft – 20 Jungs und zehn Mädchen“, erinnert sich Regina Sichtling. Die heute 69-Jährige gehört gemeinsam mit Norbert Rzepkowski, Stephanie Bornstein, Holger Lüder und Wolfgang Wegner zum Organisationsteam, das die Jubiläumsveranstaltung vorbereitet.
Geplant sind eine Betriebsbesichtigung auf dem Werftgelände, eine Schiffstour mit der Blauen Flotte von Warnemünde nach Rostock sowie ein gemeinsamer Abend im Hopfenkeller in der Rostocker Innenstadt.
Dass sich die ehemaligen Klassenkameraden auch nach einem halben Jahrhundert noch eng verbunden fühlen, kommt nicht von ungefähr. Kleinere Klassentreffen fanden über die Jahre regelmäßig statt. „Den 45. Abi-Jahrestag haben wir 2021 mit einer großen Feier im Dock Inn Hostel in Warnemünde begangen“, berichtet Regina Sichtling. Die gebürtige Rostockerin nahm wie fast alle ihrer Klassenkameraden ein Studium an einer Universität oder Hochschule auf und arbeitete anschließend als Berufsschullehrerin an der BS Warnowwerft.
An ihre Lehrjahre in Warnemünde erinnern sich die ehemaligen Schüler gern. Die meisten kamen täglich mit der S-Bahn zur Schule. Mit ihrem Betriebsausweis konnten sie kostenlos fahren. Später wurden Mopeds und Motorräder zum bevorzugten Fortbewegungsmittel.
Der Unterricht endete in der Regel um 14.05 Uhr. „Bei schönem Wetter zog es uns dann natürlich direkt an den Strand“, erzählt Wolfgang Wegner. In den Abendstunden traf man sich häufig in der legendären Stehbierhalle von Werner Liebenberg am Kirchenplatz oder im „Seehund“ am Alten Strom. „Der Alte Strom hat uns alle fasziniert“, sagt Wegner, der sich heute ehrenamtlich für den Traditionsschlepper Petersdorf engagiert.
Unvergessen geblieben sind auch die zahlreichen Tanzveranstaltungen, die Warnemünde damals prägten. Ob im Clubhaus der Warnowwerft, in der Neptun-Disko, im Teepott oder im Atlantic – Möglichkeiten zum Feiern gab es reichlich. „Diese vielen Veranstaltungen haben wir schon sehr genossen“, erinnert sich Norbert Rzepkowski, der nach der Wende viele Jahre ein Autohaus führte. Legendär seien außerdem die Eis-Milch-Mocca-Bar, der Broiler im „Nep“ und die beliebte Strand-Eisdiele an der Ecke Seestraße und Heinrich-Heine-Straße gewesen.
Ein weiterer Vorteil aus damaliger Sicht: „All das konnte man sich auch mit einem schmalen Geldbeutel leisten.“
Zu den schönsten Erlebnissen zählen für viele ehemalige Schüler die gemeinsamen Wochenenden in einer Waldhütte der Warnowwerft in Gelbensande. Dort wurden Freundschaften vertieft, die teilweise bis heute bestehen.
Das Warnemünde der 1970er Jahre unterscheidet sich stark vom heutigen Ostseebad. Es gab deutlich weniger Urlaubsgäste, dafür ein reges gesellschaftliches und kulturelles Leben mit einem breiten Veranstaltungsangebot. „Wir haben die Zeit in Warnemünde sehr genossen und fühlten uns privilegiert, hier lernen zu dürfen“, sagt Norbert Rzepkowski.
Wenn sich die ehemaligen Facharbeiter-Abiturienten im Juli 2026 wiedersehen, wird es daher nicht nur ein Jubiläum sein. Es wird auch eine Reise zurück in eine Zeit, die viele von ihnen bis heute mit besonderen Erinnerungen verbinden.
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