Warnemünder Trachtengruppe: Mit Tradition und Tanz durch fünf Jahrzehnte


10. September 2026

Kaum ein Fest in Warnemünde, bei dem sie fehlt: Die Warnemünder Trachtengruppe ist aus dem kulturellen Leben des Ostseebades nicht mehr wegzudenken. In ihren historischen Trachten pflegen die Mitglieder nicht nur überliefertes Brauchtum, sondern bringen bei zahlreichen Veranstaltungen auch traditionelle Volkstänze auf die Bühne. Am Freitag, 11. September, feiert der Verein im Laak 5 ihr 50-jähriges Bestehen.

Heute zählt die Warnemünder Trachtengruppe 32 aktive Mitglieder. Seit April dieses Jahres steht Gerd Grunewald an der Spitze des Vereins. Der 67-Jährige gehört der Gruppe bereits seit 2015 an und hat den Vorsitz von der langjährigen Vorsitzenden Karin Scarbarth übernommen, die inzwischen Ehrenvorsitzende ist.

Besonders erfreulich: In diesem Jahr konnte die Trachtengruppe drei neue Mitglieder gewinnen – ein Ehepaar im Alter von 53 Jahren sowie eine 78-Jährige, die bereits bei der Volkssolidarität Erfahrungen im Volkstanz gesammelt hat. Nachwuchs ist dringend willkommen. „Wir brauchen Tänzerinnen und Tänzer“, sagt Grunewald. Denn schließlich gehe es nicht allein darum, die Trachten zu präsentieren. „Das Tanzen macht uns viel mehr Spaß!“

Zwischen Tradition und Nachwuchssorgen

Rund 35 bis 40 Auftritte absolviert die Warnemünder Trachtengruppe jedes Jahr – bei großen Festen ebenso wie bei kleineren Veranstaltungen. Das Pensum ist seit Jahren konstant. „Wo wir einmal waren, werden wir auch gern wieder gebucht“, berichtet Grunewald.

Regelmäßig ist die Gruppe zudem in Pflegeeinrichtungen zu Gast. Auch in diesem Jahr stehen zahlreiche Auftritte in Pflegeheimen auf dem Programm. Die Begegnungen mit den Bewohnern sind für die Tänzerinnen und Tänzer längst ein wichtiger Teil ihrer Vereinsarbeit.

Geprobt wird immer montags von 18 bis 19.30 Uhr im Pflegeheim „Rolf Grund“. Dabei steht die Gruppe vor einer besonderen Herausforderung: Neue Mitglieder müssen zunächst die Volkstänze erlernen. Walzer oder Foxtrott stehen nicht auf dem Programm. „Aktuell haben wir sechs Neuzugänge, denen wir die Volkstänze beibringen. Das ist recht aufwendig – und mit jedem neuen Mitglied geht es wieder von vorne los“, sagt Grunewald.

Auch das Alter der Mitglieder spielt eine Rolle. Die Gruppe muss ihre Auftritte und Tänze immer wieder an die körperlichen Möglichkeiten ihrer Mitglieder anpassen. „Wir müssen jedes Jahr aufs Neue schauen, was wir mit den Mitgliedern auf die Beine stellen können und was nicht.“ Gleichzeitig seien gerade die Älteren besonders zuverlässig.

Jüngere Menschen für die Gruppe zu gewinnen, sei hingegen nicht immer einfach. Viele stehen noch mitten im Berufsleben und können unter der Woche nicht regelmäßig an Proben oder Auftritten teilnehmen. „Aber wir kommen derzeit auch mit den Erfahreneren gut über die Runden“, sagt Grunewald.

Vom historischen Ümgang zum Niegen Ümgang

Die Wurzeln der Trachtengruppe reichen zurück in die Geschichte Warnemündes. Historisches Vorbild ist eine Tradition aus der Zeit nach dem Verkauf des einstigen Fischerdorfes Warnemünde an die Hansestadt Rostock im Jahr 1323. Das Rostocker Gewett bestimmte fortan das Leben der Fischer und Seeleute. Alle zwei Jahre wurden aus der Warnemünder Bevölkerung Bürgervertreter gewählt, die sogenannten Öllermänner. Aus ihrer Mitte bestimmten sie den Wuurdholler als Vorstand.

Nach der Wahl zog der Wuurdholler gemeinsam mit seinen Öllermännern durch den Ort und zeigte sich den Warnemündern. Diese historische Tradition wurde 1976 bei einem Sommerfest wiederbelebt. Mitarbeiter der damaligen Warnow-Werft schlüpften in die Rollen von Tidingsbringer, Wuurdholler, Öllermännern, Hegediener und Fischfrauen.

Seitdem gehört der historische Umzug zur Warnemünder Woche. Seit 2003 wird er als „Nieger Ümgang“ veranstaltet – und die Warnemünder Trachtengruppe ist dabei ein fester Bestandteil.

Fünf Jahrzehnte Vereinsgeschichte

Fünf Jahrzehnte Trachtengruppe bedeuten auch fünf Jahrzehnte gemeinsamer Erinnerungen, Freundschaften und gelebter Tradition. Zwei Mitglieder sind sogar schon seit Vereinsgründung dabei. Sie werden bei der Jubiläumsfeier am Freitag ebenso wie drei weitere langjährige Mitglieder mit einer Ehrenmitgliedschaft ausgezeichnet. Insgesamt sollen fünf Ehrenmitgliedschaften verliehen werden.

Zur Feier am Freitag, 11. September, um 14 Uhr im Laak 5 werden zahlreiche geladene Gäste erwartet. Auch Rostocks Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger hat sich mit einem Grußwort angekündigt. Erwartet werden außerdem die Vorsitzenden der Warnemünder Vereine, der Shantychor De Klaashahns und natürlich Karin Scarbarth, die langjährige Vorsitzende und heutige Ehrenvorsitzende der Warnemünder Trachtengruppe.

Für den neuen Vorsitzenden Gerd Grunewald ist die Vereinsarbeit längst zu einer Herzensangelegenheit geworden. 2015, nach dem Tod seiner Frau, suchte er im Alter von 55 Jahren nach einer neuen Beschäftigung. Bis 1990 hat er als Offizier bei der Volksmarine in Hohe Düne gedient und nach der Wende rund 30 Jahre ein Unternehmen in Roggentin geführt.

Über das Schwimmen – Grunewald absolvierte zunächst seinen Rettungsschwimmer und leitete später eine Seniorenschwimmgruppe in der Boddentherme Ribnitz – kam er schließlich zur Warnemünder Trachtengruppe. Seine damalige neue Partnerin war Mitglied. „Das ist wirklich eine lustige Truppe und ich bin hängengeblieben“, erzählt er. Seine Entscheidung hat er nie bereut: „Das macht richtig Spaß.“

Die nächsten Auftritte stehen schon fest

Viel Zeit zum Zurücklehnen bleibt der Trachtengruppe nach dem Jubiläum ohnehin nicht. Bereits am Sonnabend, 12. September, steht der nächste Auftritt an: Beim Warnemünder Brückenfest sind die Tänzerinnen und Tänzer gegen 12 Uhr rund um den Fassbieranstich an der Vogtei zu erleben.

Am 3. Oktober folgt zwischen 15 und 17 Uhr ein bunter Spaziergang durch Warnemünde anlässlich des Feiertages. Am 18. Oktober geht es zum Tanz- und Trachtentreffen nach Graal-Müritz. Am 5. November steht schließlich eine Nachmittagsveranstaltung im Pflegeheim am Wasserturm auf dem Programm.

Wer Lust hat, die Warnemünder Trachtengruppe kennenzulernen und vielleicht selbst einmal das Tanzbein in einer historischen Tracht zu schwingen, ist willkommen. Die Kontaktdaten sind auf der Vereinswebseite zu finden.


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