Warnemünder Hydronauten – StartUp startet durch


26. Mai 2026

Jeder kennt es vom Strand – wenn kein Wind weht, ist die Ostsee glatt und ruhig. Stürmt es hingegen, dann bringt der Wind das Wasser in Bewegung, Wellen rollen ans Ufer und brechen mit lautem Getöse. Dabei entstehen unzählige Verwirbelungen – das beliebte und wohltuende Meeresrauschen. Was Urlauber am Meer so sehr lieben, ist in technischen Systemen meist störend und unerwünscht. Eine große Herausforderung für alle Entwickler technischer Pumpanlagen besteht darin, ungewollte Schwingungen zu verhindern oder auszugleichen. Dadurch ließe sich bis zu einem Drittel Energie einsparen und gleichzeitig jede Menge Lärm vermeiden.

Innovation aus Warnemünde

Den Warnemünder Hydronauten um Gründer und Geschäftsführer Johannes Büker, ist es nun erstmals gelungen, eine Lösung für das lange bekannte Problem zu entwickeln und zu fertigen – sie bringen Ruhe ins Rohr. Mit ihrem System QuietHydro sorgen die Hydronauten dafür, dass störende Schwingungen und Schallemissionen in Echtzeit ausgeglichen werden. „Wir können das für alles, was gepumpt wird, also für sämtliche Flüssigkeiten von Wasser über Abwasser bis hin zu Öl, genauso wie für Luft oder andere Gase. Das macht die möglichen Anwendungsbereiche in der Industrie riesig“ erklärt Johannes Büker. Ihr patentiertes System ist überall leicht nachzurüsten, wird für jede gewünschte Anwendung eigens konzipiert, in ihrer Werkstatt im Technologiepark Warnemünde gefertigt und dann beim Kunden vor Ort eingebaut. Ihre ersten Rohrflüsterer laufen seit gut drei Jahren sehr erfolgreich, unter anderem in Greifswald, in der größten Abwasserpumpstation der Hansestadt.

Hydronauten bringen Ruhe ins Rohr

Die Erfindung der Hydronauten gilt in Fachkreisen als kleine Revolution – deutschlandweit und darüber hinaus. Sie können nicht nur Vibrationen und Lärm deutlich mindern, sondern gleichzeitig den Stromverbrauch der Pumpen dank ihrer intelligenten Pumpenregelung um bis zu 30 Prozent senken – weltweit ein wichtiger Beitrag zum Klima- und Umweltschutz und zur Reduzierung der Kohlendioxid Emissionen. Die von ihnen entwickelte intelligente Pumpenreglung könnte künftig sogar mit zur sogenannten Netzstabilität des Stromnetzes beitragen. Mehrere Auszeichnungen hat die im Jahr 2022 gegründete Hydronauten GmbH mit ihren derzeit acht Mitarbeitern bereits erhalten, darunter den Sonderpreis für Innovatives Vorhaben mit hohem Marktpotenzial des Ludwig-Bölkow-Technologiepreises Mecklenburg-Vorpommern 2025.

High-Tech von der Ostseeküste in die Welt

„Wir sind jetzt im fünften Jahr, haben den Markteinstieg geschafft und entwickeln unsere Systeme kontinuierlich weiter. Unsere aktuell größte Herausforderung ist es, weiterhin bekannt zu machen, was wir können und so mit neuen Kunden in Kontakt zu kommen“, sagt Geschäftsführer Johannes Büker. Erst kürzlich, Angang Mai, präsentierte der Maschinenbau-Ingenieur die Hydronauten auf der IFAT in München, das ist immerhin die Weltleitmesse für Umwelttechnologien. Nicht nur im Bereich der Wasser- und Abwasserwirtschaft ist das Interesse groß, denn quasi überall, wo Pumpen betrieben werden, treten unerwünschte Vibrationen mit ihren Folgen auf – jeder Betreiber von Pumpensystemen kennt die Probleme. Die QuietHydro-Technologie des jungen Warnemünder Unternehmens funktioniert so ähnlich, wie das ANC (die aktive Rauschunterdrückung) bei Kopfhörern – nur eben für Rohrleitungen von klein bis groß.

Künftige Ziele der Hydronauten

Bislang erhält jeder Kunde eine individuell maßgeschneiderte Lösung vom Hydronauten-Team. Aktuell bearbeiten die Maschinenbau- und Elektronikspezialisten größere Aufträge für eine Trinkwasseranlage in Lausanne in der Schweiz und von den Berliner Wasserbetrieben, installieren dort ihre genau auf die Anforderungen abgestimmte innovative Technik. „Künftig könnten wir uns vorstellen, unsere QuietHydro-Systeme für verschiedene genormte Rohrdurchmesser vorzuproduzieren und sie quasi gleich als Betriebssystem für die jeweiligen Pumpen anzubieten. Diese würden damit deutlich effizienter arbeiten können, die Rohre das Flüstern lehren und gleichzeitig helfen, eine Menge Strom zu sparen“ gibt der technische Leiter, Paul Werner, einen Ausblick. Das ist gerade angesichts weltweit immer knapper werdender Ressourcen und steigender Energiepreise wichtig.

Und wenn die Hydronauten trotz der vielen Arbeit doch mal eine freie Minute finden, gehen sie gerne einfach die paar Schritte von ihrem Firmensitz im Technologiepark Warnemünde bis an den Ostseestrand­ – und lauschen dem wohltuenden Meeresrauschen.

RikeM


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