Seenotretter feiern Dreifach-Kiellegung bei Tamsen

Bei Tamsen Maritim in Rostock wurden heute drei neue Seenotrettungsboote auf Kiel gelegt. Anwesend waren neben Seenotrettern und Schiffbauern mit Bernd Karstedt aus Bremen (vorne l.) und Ursula Lorenz aus Frankfurt (mitte) auch zwei Spender, die ihre Glücksmünzen einlegten. Werftmitarbeiterin Anja Hapke legte die Replik eines Bremer Schauguldens von 1648 in eine Sektion der SRB 77.Bei Tamsen Maritim in Rostock wurden heute drei neue Seenotrettungsboote auf Kiel gelegt. Anwesend waren neben Seenotrettern und Schiffbauern mit Bernd Karstedt aus Bremen (vorne l.) und Ursula Lorenz aus Frankfurt (mitte) auch zwei Spender, die ihre Glücksmünzen einlegten. Werftmitarbeiterin Anja Hapke legte die Replik eines Bremer Schauguldens von 1648 in eine Sektion der SRB 77. (2 weitere Bilder)29. Oktober 2018

Eine Drillings-Kiellegung bei Tamsen Maritim in Rostock Gehlsdorf ist selbst für Werft-Geschäftsführer Christian Schmoll ein Novum und etwas ganz Besonders. Auf Kiel gelegt wurden heute gleich drei neue Rettungsboote für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Die gut zehn Meter langen Spezialschiffe gehören zur größten Bootsklasse der Seenotretter und kommen nach Fertigstellung auf den Freiwilligen-Stationen in Norddeich, Horumersiel und Puttgarden zum Einsatz.

Mit SRB 75, 77 und 78 tragen die Neubauten noch ihre internen Bezeichnungen. Erst am Tag der jeweiligen Taufe verraten die Seenotretter  die endgültigen Namen. Kein Geheimnis ist dagegen die Finanzierung: Das Geld für die drei Rettungsboote stammt nämlich, wie bei allen anderen Einheiten der DGzRS auch, ausschließlich aus freiwilligen Zuwendungen ihrer Freunde und Förderer. „Für die zweckgebundenen Spenden sind wir sehr dankbar. Sie versetzen uns in die Lage, unseren Besatzungen moderne Schiffe mit einem Höchstmaß an Sicherheit für ihre nicht selten gefahrvollen Aufgaben an die Hand zu geben“, erläuterte DGzRS-Geschäftsführer Nicolaus Stadeler.

Einer alten Schiffbautradition folgend wurde die Kiellegung der neuen Seenotrettungsboote durch das Einlegen einer Münze in ein Bauteil des Rumpfes feierlich begangen. Anwesend waren dazu auch die Vorleute und mehrere Besatzungsmitglieder der zukünftigen Stationen. Schiffbauern und Seenotrettern sollen die Münzen Sicherheit, Glück und Gesundheit verheißen. Während früher ein Geldstück unter dem Kiel lag und in der Bauzeit durch das ansteigende Gewicht plattgedrückt wurde, findet die Münze oder Medaille bei heutiger Bauweise „kieloben“ Platz. Sie wird in einer speziellen Öffnung an einem Bauteil verschweißt.

Für SRB 75 übernahm Ursula Lorenz aus Frankfurt die traditionelle Münzeinlegung. Sie und ihr verstorbener Ehemann Wolfgang Lorenz hatten gemeinsam entschieden, mit einer Spende den Bau eines neuen Seenotrettungsbootes zu ermöglichen. Jahrelang hatten die Eheleute ausgedehnte Reisen mit ihrem Motorboot an Nord- und Ostsee unternommen. Die eingelegte Münze erinnert an ihre Frankfurter Herkunft. SRB 75 ist für die Station Horumersiel vorgesehen und wird dort das Seenotrettungsboot Balturum ersetzen, das außer Dienst gestellt wird.

Das für Puttgarden bestimmte Seenotrettungsboot SRB 77 wird mit der Replik eines Bremer Schauguldens von 1648 in den Einsatz gehen. Er wurde von Anja Hapke, Mitarbeiterin von Tamsen Maritim, in die spezielle Bausektion eingelegt. Die Vorderseite der Münze zeigt eine zeitgenössische Ansicht der Hansestadt Bremen. Die Neustadt ist im Grundriss mit der mitten hindurch fließenden Weser dargestellt. Dort ist heute die Zentrale der Seenotretter mit der Seenotleitung Bremen angesiedelt. Sie koordiniert alle Einsätze im Such- und Rettungsgebiet auf Nord- und Ostsee. SRB 77 ersetzt das bisher in Puttgarden stationierte 9,5-Meter-Seenotrettungsboot Emil Zimmermann, das voraussichtlich auf der Station Fedderwardersiel der 8,5 Meter langen Hermann Onken nachfolgt.

SRB 78 soll in Norddeich das Seenotrettungsboot Wilma Sikorski ablösen, das dann als Springer auf wechselnden Stationen eingesetzt werden soll. Der Neubau wird durch die großzügige Spende der Bremer Familie Karstedt ermöglicht. So legte denn auch Bernd Karstedt eine Medaille mit besonderem Familienbezug in das dafür vorgesehene Bauschott ein. Die Medaille war ein Geschenk, das seine Urgroßeltern zur Goldenen Hochzeit erhielten. Auf einer Seite der Medaille ist aus den Römerbriefen der Bibelspruch zu lesen: „Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet.“

„Uns als Familie bedeutet es viel, dass diese Münze das Seenotrettungsboot in den Einsatz begleiten wird“, sagte Bernd Karstedt anlässlich der Kiellegung. „Wie eine Familie erlebt auch die Besatzung eines Seenotrettungsbootes bei ihren Einsätzen große Freude und tiefes Leid. Dennoch geben die Seenotretter nie die Hoffnung auf und wissen, dass es immer wieder von neuem wichtig ist, den Einsatz zu wagen. Das imponiert uns. Diese Haltung stimmt mit den Werten unserer Familie überein.“ Die Spende erfolgt anlässlich des bevorstehenden 100. Firmenjubiläums der Firma Diersch & Schröder, die im Oktober 1920 von Bernd Karstedts Großvater gegründet wurde.

Etwa 30 Jahre sind die Rettungseinheiten der DGzRS im harten Einsatz auf Nord- und Ostsee. Rein rechnerisch ergibt sich daraus der Bedarf, jährlich durchschnittlich zwei neue in Dienst zu stellen. Die jüngsten Boote sind modifizierte Nachbauten der 9,5-/10,1-Meter-Klasse. Bereits 26 Einheiten dieses Typs haben sich in zahlreichen Einsätzen auch unter extremen Bedingungen zur Zufriedenheit der Besatzungen in allen Revieren hervorragend bewährt.

Wie alle Einheiten der DGzRS werden die neuen Seenotrettungsboote als Selbstaufrichter konstruiert und vollständig aus Aluminium im bewährten Netzspantensystem gebaut. Der Bootstyp zeichnet sich durch hohe Seetüchtigkeit aus. In Grundsee und Brandung besitzt er gute See-Eigenschaften, manövriert einwandfrei, übersteht heftige Grundstöße und ist in der Lage, dank des rundumlaufenden Fendersystems auch bei höheren Fahrtstufen und unter erschwerten Bedingungen bei Havaristen längsseits zu gehen.

Für Einsätze unter schwierigsten Bedingungen sind bei der Konstruktion umfassende Sicherheitskriterien berücksichtigt worden. Die Boote werden mit modernster Navigationstechnik, leistungsstarken Schlepp- und Lenzgeschirren sowie einer umfangreichen Ausrüstung zur medizinischen Erstversorgung ausgestattet.



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