Sandregenpfeifer an der Ostseeküste: Artenschutzprojekt zeigt erste Erfolge


22. Juli 2026

Für den Sandregenpfeifer gibt es gute Nachrichten von Mecklenburgs Ostseeküste. Drei Jahre nach dem Start eines gemeinsamen Artenschutzprojekts von Fachgruppe Ornithologie Rostock, NABU Mittleres Mecklenburg und Zoo Rostock zeigen die Schutzmaßnahmen deutliche Wirkung. Die seltenen Strandbrüter nehmen die eingerichteten Schutzflächen zunehmend an, erste Küken schlüpften bereits im Mai und im Juni wurden die ersten Jungvögel flügge. Damit wächst die Hoffnung für eine Vogelart, die deutschlandweit als vom Aussterben bedroht gilt.

„Wir sehen inzwischen sehr deutlich, dass unsere gemeinsamen Schutzmaßnahmen wirken“, sagt Jonas Homburg, Vogelkurator im Zoo Rostock. Fast alle in diesem Jahr eingerichteten Schutzflächen wurden von den Vögeln angenommen, sodass an vielen Stellen Bruten nachweisen konnten. „Für eine vom Aussterben bedrohte Vogelart ist das ein ausgesprochen ermutigendes Signal“, so Homburg.

Schutznetz entlang der Küste wächst

Das Projekt wurde ins Leben gerufen, um den dramatischen Rückgang des Sandregenpfeifers an Mecklenburgs Ostseeküste zu stoppen. Seitdem werden bekannte Brutplätze überwacht, saisonale Schutzbereiche am Strand eingerichtet und Urlauber wie Einheimische über die Bedürfnisse der seltenen Küstenvögel informiert.

Die sogenannten Strandinseln wurden seit Projektbeginn kontinuierlich ausgebaut. Aktuell gibt es geschützte Bereiche in Börgerende, Elmenhorst und Wittenbeck. Gemeinsam mit den Maßnahmen des NABU Mittleres Mecklenburg im Naturschutzgebiet Riedensee westlich von Kühlungsborn entsteht damit ein immer dichteres Netz sicherer Brutplätze zwischen Warnow und Salzhaff.

Erstmals konnten zudem Schutzflächen in der Rostocker Heide sowie in der Wismarbucht bei Zierow eingerichtet werden. Möglich wurde dies durch die Zusammenarbeit mit dem Stadtforstamt Rostock und der NABU-Regionalgruppe Ostseeküste Westmecklenburg.

Die saisonal abgesperrten Strandabschnitte befinden sich in den oberen Strandbereichen und ermöglichen den Vögeln ein möglichst störungsfreies Brutgeschäft. Strandgäste können die Küste weiterhin uneingeschränkt nutzen, werden jedoch gebeten, die gekennzeichneten Schutzflächen nicht zu betreten und Hunde in den Brutgebieten anzuleinen.

Unscheinbarer Vogel mit großen Herausforderungen

Der Sandregenpfeifer gehört zu den charakteristischen Brutvögeln der Ostseeküste. Zwischen April und August legt er seine Eier direkt auf Sand- und Kiesstränden ab. Das Nest besteht lediglich aus einer flachen Mulde im Boden. Eier und Küken sind so gut getarnt, dass sie kaum zu erkennen sind.

Gerade diese perfekte Tarnung wird an stark frequentierten Stränden häufig zum Problem. Gelege und Jungvögel werden leicht übersehen, zertreten oder durch Störungen verlassen. Hinzu kommen der Verlust geeigneter Lebensräume und die zunehmende Nutzung der Küsten als Erholungsraum.

Mit weniger als 1.000 Brutpaaren in Deutschland zählt der Sandregenpfeifer inzwischen zu den am stärksten gefährdeten Küstenvogelarten des Landes.

Erfolgreiche Aufzucht und Auswilderung

Ein wichtiger Bestandteil des Projekts ist die Rettung besonders gefährdeter Gelege. Wenn ein Schutz vor Ort nicht möglich ist, werden die Eier im Zoo Rostock ausgebrütet. Die Jungvögel wachsen dort auf und werden später wieder an geeigneten Küstenabschnitten ausgewildert.

Bislang konnten auf diese Weise sechs Sandregenpfeifer erfolgreich aufgezogen und in die Freiheit entlassen werden. „Besonders erfreulich ist, dass dieses Jahr ein ins Projektgebiet zurückgekehrter, ausgewilderter Vogel beobachtet werden konnte. Es belegt den Erfolg des Vorgehens“, berichtet Jonas Homburg.

Für die aktuelle Brutsaison liegt erneut eine naturschutzrechtliche Genehmigung zur Rettung aussichtsloser Gelege vor. Bislang war ein Eingreifen jedoch nicht erforderlich, da die Brutpaare die vorhandenen Schutzflächen erfolgreich nutzen.

Jeder Jungvogel zählt

Das Projekt wird kontinuierlich wissenschaftlich begleitet. Mithilfe individueller Farbringe lassen sich die Jungvögel über Jahre hinweg wiedererkennen und ihre Bestandsentwicklung dokumentieren.

„Unser Ziel ist eine dauerhaft stabile Population von Sandregenpfeifern an der mecklenburgischen Ostseeküste. Die Entwicklung der vergangenen drei Jahre zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Entscheidend bleibt, dass Naturschutz und rücksichtsvolle Strandnutzung Hand in Hand gehen. Jeder erfolgreich flügge gewordene Jungvogel bringt uns diesem Ziel einen Schritt näher“, sagt Joachim Springer, der das Projekt für die Fachgruppe Ornithologie Rostock und den NABU Mittleres Mecklenburg koordiniert.

Die Projektpartner bitten Strandbesucher daher weiterhin um Rücksicht. Wer Schutzbereiche respektiert, Hunde anleint und brütende Vögel nicht stört, trägt zum Erhalt einer der seltensten Vogelarten Mecklenburg-Vorpommerns bei.


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