Kopenhagen macht es vor: Mit dem CopenPay-Konzept belohnt die dänische Hauptstadt Gäste für nachhaltiges Verhalten und verbindet Klimaschutz mit attraktiven Erlebnissen. Auch Rostock prüft inzwischen, ob sich ein solches Modell auf die Hansestadt übertragen lässt. Die Tourismuszentrale arbeitet seit dem Frühjahr an ersten Ideen für ein „RostockPay“.
Eine kleine Task Force um Nachhaltigkeitsmanagerin Mila Zarkh beschäftigt sich mit der Frage, wie Gäste zu umweltbewusstem Verhalten motiviert werden können. Erfahrungen aus anderen Städten zeigen dabei: Ein schrittweiser Einstieg mit einer zeitlich begrenzten Aktion kann sinnvoll sein.
Ein mögliches Rostocker Pilotprojekt könnte bei der Anreise ansetzen. Gäste, die nachweislich mit der Bahn anreisen und ihr Ticket in der Tourist-Information vorlegen, könnten beispielsweise eine Upcycling-Tasche erhalten. Produziert werden könnte sie in der Werkstatt der Stiftung Michaelswerk aus alten Veranstaltungsbannern.
„Erfahrungen aus anderen Städten zeigen: Ein solches Modell sollte schrittweise eingeführt werden. Bewährt hat sich der Start mit einer kleinen, zeitlich begrenzten Aktion – idealerweise mit Fokus auf die nachhaltige Anreise“, sagt Mila Zarkh. Gerade die Anreise fällt beim ökologischen Fußabdruck einer Urlaubsreise stark ins Gewicht.
Als Testzeitraum seien zunächst vier Wochen denkbar, etwa im Dezember während des Weihnachtsmarktes. Anschließend könnte ausgewertet werden, wie gut das Angebot angenommen wird und welche weiteren Maßnahmen sinnvoll sind.
Dass ein solcher Ansatz auf Interesse stoßen kann, zeigt das im Mai 2026 gestartete BremenPay. Auch dort wurde zunächst mit einer zeitlich begrenzten Aktion experimentiert. Gäste konnten unter anderem für eine nachhaltige Anreise Vergünstigungen bei regionalen Partnern, einen Willkommensbeutel oder kostenfreie Stadtführungen erhalten. Die Resonanz war laut Tourismuszentrale groß.
Noch weiter geht Kopenhagen. Dort können Gäste beispielsweise bei einem SUP-Ausflug Müll aus dem Schilfgürtel sammeln und dafür zusätzliche Zeit auf dem Wasser erhalten. Auch für Rostock werden bereits ähnliche Ideen diskutiert. Denkbar wären etwa gebrandete Müllbeutel, die Gäste mit gesammeltem Müll zurückgeben, oder Anreize für die Nutzung von Mehrwegprodukten. Als Belohnungen könnten regionale Souvenirs, Kaffeegutscheine oder andere Angebote lokaler Partner dienen.
Langfristig könnte RostockPay an ein bereits bestehendes System anknüpfen: die GästeCard. Über sie erhalten Besucher im Rahmen der Kurabgabe bereits Vergünstigungen und kostenlose Leistungen. Dazu gehören Angebote der Tourismuszentrale ebenso wie Leistungen städtischer Partner und privater Tourismusanbieter.
Für ein RostockPay-Modell könnten gezielt weitere Partner gewonnen werden, um bestehende Anbieter nicht zusätzlich zu belasten. Auch nachhaltige Merchandise-Artikel oder andere kleine Prämien wären in Abhängigkeit von den Produktionskosten und Partnerbeteiligung denkbar.
Unterstützung kommt aus der Rostocker Bürgerschaft. Die CDU-Fraktion will zur nächsten Sitzung am 2. September 2026 einen Antrag zur Prüfung eines CopenPay-orientierten Pilotprojekts einreichen. Ziel sei es, nachhaltiges Verhalten mit attraktiven Angeboten zu fördern, statt auf zusätzliche Verbote zu setzen.
„Rostock steht vor der Aufgabe, Tourismus, Lebensqualität und Verantwortung für unsere natürlichen Lebensgrundlagen sinnvoll miteinander zu verbinden. Unsere Fraktion setzt dabei auf einen Ansatz, der Menschen motiviert statt bevormundet“, erklärt Fraktionsvorsitzende Chris Günther. Das Beispiel Kopenhagen zeige, dass nachhaltiges Verhalten besonders gut angenommen werde, wenn es mit attraktiven Erlebnissen verbunden sei.
Die Tourismuszentrale steht dem Prüfauftrag grundsätzlich offen gegenüber. Entscheidend wird unter anderem sein, welche touristischen Leistungsträger sich beteiligen und wie ein solches Programm finanziert werden kann. Das bestehende Budget der Tourismuszentrale reicht dafür nicht aus. Zusätzliche Fördermittel, Kooperationspartner oder Sponsoren wären daher notwendig.
„Auf einigen Festivals ist es längst ‚Best Practice‘, dass man bei der Anreise gegen zehn Euro Pfand einen Müllsack bekommt. Gibt man diesen am Ende befüllt wieder zurück, bekommt man das Geld zurück“, berichtet Zarkh. Für Rostock gehe es nun darum, aus solchen Erfahrungen ein Modell zu entwickeln, das zur Stadt, ihren Gästen und ihren Partnern passt.
„Am Ende muss es eine Win-Win-Win-Situation sein, von der die Umwelt, die Gäste und die Tourismusorganisation profitieren“, sagt Mila Zarkh. Entscheidend sei, ein Modell zu entwickeln, das nachhaltiges Verhalten attraktiv macht und zugleich einen Mehrwert für Rostock und seine Gäste schafft.
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