Ostsee im Fokus: Binnenmeere reagieren extrem auf den Klimawandel


19. Mai 2026

Eine neue internationale Studie unter Leitung des Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) zeigt: Binnenmeere wie die Ostsee erwärmen sich deutlich schneller als der globale Ozean. Besonders besorgniserregend ist die Zunahme mariner Hitzewellen, die bereits Mitte dieses Jahrhunderts große Teile dieser empfindlichen Meeresräume betreffen könnten.

Die Forschungsergebnisse wurden jetzt in der Fachzeitschrift Communications Earth & Environment veröffentlicht.

Binnenmeere reagieren besonders empfindlich

Binnenmeere spielen für Fischerei, Tourismus und Küstenregionen weltweit eine wichtige Rolle. Gleichzeitig gelten sie als besonders anfällig für die Folgen des Klimawandels. Der geringe Wasseraustausch mit angrenzenden Meeren sorgt dafür, dass sich Verschmutzungen, Nährstoffe und Wärme schneller ansammeln.

Erstmals untersuchten Wissenschaftler nun mithilfe von Klimasimulationen die Entwicklung von 19 Binnenmeeren weltweit. Dabei analysierten sie nicht nur die allgemeine Erwärmung, sondern auch die Geschwindigkeit der Temperaturanstiege. Denn Meeresorganismen können sich langsamen Veränderungen besser anpassen als plötzlichen Temperaturspitzen.

Im Fokus standen zudem sogenannte marine Hitzewellen – extreme Wärmephasen im Meer, die schwere Folgen wie Fischsterben oder den Verlust empfindlicher Lebensräume auslösen können.

Überraschender Wendepunkt um das Jahr 2000

Die Studie zeigt, dass die Erwärmungsrate vieler Binnenmeere bereits um das Jahr 2000 ihren Höhepunkt erreichte. Hintergrund ist ein Rückgang von Aerosolen in der Atmosphäre. „Diese Aerosole reflektierten das Sonnenlicht und hatten somit einen kühlenden Effekt. Durch die Verminderung der Luftverschmutzung nahmen die Aerosole anschließend ab und der kühlende Effekt ging verloren“, erklärt der IOW-Wissenschaftler und Erstautor der Studie Matthias Gröger.

Seit den 2000er Jahren erwärmen sich Binnenmeere deshalb vielerorts schneller als der globale Ozean.

Deutlich mehr Hitzewellen bis Ende des Jahrhunderts

Besonders alarmierend sind die Zukunftsprognosen der Forschenden. Bereits Mitte des 21. Jahrhunderts könnten marine Hitzewellen im Jahresdurchschnitt rund 60 Prozent der untersuchten Binnenmeere betreffen. Werden die Klimaziele des Pariser Abkommens verfehlt, könnte dieser Anteil sogar auf bis zu 90 Prozent steigen.

Bis zum Ende des Jahrhunderts rechnen die Wissenschaftler in vielen Regionen mit einer Erwärmung um mehrere Grad Celsius. In einzelnen Regionen könnte die Geschwindigkeit der Erwärmung sogar drei- bis viermal höher liegen als in der Vergangenheit.

Klimaschutz kann Folgen deutlich begrenzen

Die Studie macht jedoch auch deutlich, dass entschlossener Klimaschutz die schwersten Folgen verhindern könnte. Wird die globale Erwärmung wie im Pariser Klimaabkommen auf unter 1,5 Grad Celsius begrenzt, sinkt vor allem das Risiko langanhaltender mariner Hitzewellen erheblich.

Ganz vermeiden lassen sich steigende Wassertemperaturen allerdings auch dann nicht. Die Intensität der Veränderungen würde jedoch deutlich abgeschwächt.

Die neuen Erkenntnisse sollen künftig dabei helfen, Binnenmeere besser an die Folgen des Klimawandels anzupassen. Das betrifft unter anderem die Wiederherstellung von Seegraswiesen, den Schutz heimischer Arten sowie den Umgang mit eingewanderten Tier- und Pflanzenarten.


| | | |

Kommentieren Sie den Artikel

Name
E-Mail
(wird nicht veröffentlicht)
Kommentar
Sicherheitscode

Ich willige ein, dass DER WARNEMÜNDER die von mir überreichten Informationen und Kontaktdaten dazu verwendet um mit mir anlässlich meiner Kontaktaufnahme in Verbindung zu treten, hierüber zu kommunizieren und meine Anfrage abzuwickeln. Dies gilt insbesondere für die Verwendung der E-Mail-Adresse zum vorgenannten Zweck. Die Datenschutzerklärung kann hier eingesehen werden.*


|