Mit zahlreichen historischen Exponaten, spannenden Geschichten und liebevollen Mitmach-Stationen lädt das Heimatmuseum Warnemünde zu einer besonderen Zeitreise ein.
Hundert Jahre Warnemünder Woche – und ebenso viele Jahre voller Segelleidenschaft, Tradition und bewegender Geschichte. Mit einer liebevoll gestalteten Sonderausstellung nimmt das Heimatmuseum Warnemünde seine Besucher mit auf eine Reise durch ein Jahrhundert eines der bedeutendsten Segelsportereignisse Deutschlands. Pünktlich vor der 88. Warnemünder Woche, die am 4. Juli beginnt, wird deutlich: Hinter dem Jubiläum verbirgt sich weit mehr als eine Aneinanderreihung von Regatten.
Schon beim Betreten des Ausstellungsraumes wird klar, dass Geschichte hier nicht nur erzählt, sondern erlebbar wird. Wellenlinien ziehen sich über den Fußboden, an einer Station können Besucher Seemannsknoten ausprobieren und auf einem kleinen Podest mit einer Medaille ihr ganz persönliches Siegerfoto aufnehmen. „Wir wollten keine Ausstellung schaffen, in der man nur Vitrinen betrachtet. Die Geschichte der Warnemünder Woche soll erlebbar sein und zum Entdecken einladen“, sagt Museumsleiter Christoph Wegner.
Die Ausstellung beginnt dort, wo alles seinen Anfang nahm: am 24. Januar 1925. Damals gründeten 25 segelbegeisterte Warnemünder unter Vorsitz von Postamtmann Julius Schroeder den Warnemünder Segel-Club. Bereits ein Jahr später organisierten sie gemeinsam mit weiteren Vereinen die erste Warnemünder Woche.
Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Schon 1926 berichtete die Warnemünder Zeitung begeistert über die Veranstaltung, die sich schnell in eine Reihe mit der Kieler Woche und der Travemünder Woche einordnete und Warnemünde als Segelstandort weit über die Region hinaus bekannt machte.
Wer genau hinschaut, entdeckt eine kleine Besonderheit: Trotz des Jubiläums wurden bislang lediglich 87 Warnemünder Wochen ausgetragen. Der Grund liegt in den politischen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts.
Nach regelmäßigen Veranstaltungen bis 1939 brachte der Zweite Weltkrieg den Segelsport vollständig zum Erliegen. Erst 1951 wurde wieder gesegelt – allerdings unter den Namen Warnemünder Segelwoche und später Ostseewoche beziehungsweise Internationale Ostseeregatta.
Erst nach der deutschen Wiedervereinigung kehrte 1991 der traditionsreiche Name Warnemünder Woche zurück und entwickelte sich in den folgenden Jahren erneut zu einem internationalen Anziehungspunkt für Seglerinnen und Segler aus aller Welt. „Die Geschichte der Warnemünder Woche erzählt nicht nur vom Segelsport, sondern auch von Krieg, Neuanfang, deutscher Teilung und Wiedervereinigung mit erneutem Neubeginn – genau das macht sie so besonders“, erklärt Christoph Wegner.
Ein Schwerpunkt der Ausstellung widmet sich den Jahrzehnten in der DDR. Denn die Segelwettbewerbe vor Warnemünde waren weit mehr als reine Sportveranstaltungen. Unter dem Motto „Die Ostsee muss ein Meer des Friedens sein“ entwickelte sich die Ostseewoche von 1958 bis 1975 zu einem internationalen Großereignis, mit dem die DDR ihre außenpolitische Isolation überwinden und den Austausch insbesondere mit den skandinavischen Ländern stärken wollte.
Mit dem hohen politischen Stellenwert der Ostseewoche gingen umfangreiche Investitionen in die Infrastruktur einher. Bereits 1961 wurde nach nur 100 Tagen Bauzeit der neue Warnemünder Yachthafen eröffnet – eine Voraussetzung dafür, internationale Regatten dauerhaft ausrichten zu können. Auch zahlreiche heute prägende Bauwerke Rostocks entstanden in dieser Zeit oder wurden durch die Bedeutung der Ostseewoche begünstigt. Dazu zählen das Messegelände in Schutow, das Warnow-Hotel, der Teepott, die Kunsthalle oder das Hotel Haus Sonne.
Die Ausstellung erinnert zugleich an die besonderen Bedingungen, unter denen der Segelsport stattfand. Wer auf der Ostsee an Wettkämpfen teilnehmen wollte, benötigte eine spezielle Genehmigung, die sogenannte PM 18. Traditionsreiche Regatten wie „Rund Bornholm“ konnten deshalb nur eingeschränkt oder gar nicht ausgetragen werden.
Nach der Wiedervereinigung begann ein neues Kapitel. Die Organisation der ersten Warnemünder Woche unter altem Namen stellte die Verantwortlichen vor große Herausforderungen. Doch mit viel Engagement entwickelte sich die Veranstaltung schnell wieder zu einer festen Größe im internationalen Regattakalender.
Heute verbindet die Warnemünder Woche hochklassigen Segelsport mit einem vielseitigen Sommerfest und zieht Jahr für Jahr tausende Gäste an die Ostsee.
Die Sonderausstellung richtet sich gleichermaßen an Segelbegeisterte, Geschichtsinteressierte und Familien. Historische Exponate, zwei digitale Bilderrahmen, bestückt mit historischen und aktuellen Fotos und zahlreiche Details – zum Teil private Leihgaben – machen den Rundgang abwechslungsreich und lebendig.
Die Sonderausstellung „100 Jahre Warnemünder Woche“ im Heimatmuseum Warnemünde, Alexandrinenstraße 31, ist zweisprachig (de/en) angelegt und wird am Donnerstag, 2. Juli, eröffnet. Ab dem 3. Juli ist sie für jedermann während der Öffnungszeiten von Dienstag bis Sonntag jeweils von 10 bis 17 Uhr zu sehen.
Passend zur Sonderausstellung hat Museumsleiter Christoph Wegner erneut eine bebilderte Begleitbroschüre erarbeitet, die die wichtigsten Stationen der 100-jährigen Geschichte der Warnemünder Woche zusammenfasst und mit zahlreichen historischen Details ergänzt. Die Broschüre ist ab Ausstellungsbeginn für 5 Euro im Heimatmuseum erhältlich.
Wer tiefer in die Geschichte des Segelsports eintauchen möchte, findet dort außerdem eine besondere Lektüre: Ebenfalls ab Ausstellungsbeginn wird das Buch „Der Warnemünder Segel-Club“ von Dieter Goldschmidt angeboten. Der Band kostet 8 Euro – und unterstützt gleichzeitig den Traditionsverein, denn der Verkaufserlös wird zu 100 Prozent an den Warnemünder Segel-Club e.V. weitergeleitet.
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