Volle Auftragsbücher: MV Werften Warnemünde zieht viele zurück in die Heimat

Diese Visualisierung veranschaulicht die Größenverhältnisse. Es wird nie dazu kommen, dass ein Schiff der Global-Class in den Rostocker Stadthafen einläuft.Diese Visualisierung veranschaulicht die Größenverhältnisse. Es wird nie dazu kommen, dass ein Schiff der Global-Class in den Rostocker Stadthafen einläuft.12. Juli 2018

Jetzt stimmt auch die Außendarstellung: Seit Anfang Juli ist am 95 Meter hohen Bockkran auf der Warnemünder Warnowwerft in riesigen Lettern und weithin sichtbar der Schriftzug „MV WERFTEN“ zu lesen. Dass es sich dabei keineswegs um Makulatur handelt, machte Unternehmenssprecher Stefan Sprunk am Dienstagabend vor dem Warnemünder Ortsbeirat klar.  Die Auftragsbücher sind voll und das gleich für mehrere Jahre. Man plane sogar für die nächsten zehn Jahre, was ein „absoluter Luxus“ sei.

Die Genting Hong Kong, ein Tourismusunternehmen, das gleich mehrere Kreuzfahrtreedereien betreibt, übernahm die drei Nordic-Yards-Werften in Wismar, Stralsund und Warnemünde im März 2016. Und das asiatische Unternehmen firmiert seither ganz bewusst als „MV Werften“: „Es ist eine klare Identifikation mit dem Standort und dem deutschen Wort ‚Werften‘ als Zeichen für Qualität“, erklärt Stefan Sprunk die Namensfindung. Alle drei Schiffbaubetriebe werden in den kommenden Jahren Neubauprojekte für Genting Cruise Lines realisieren. Dazu wurde 2016 ein Fünf-Jahres-Produktionsplan mit neun Schiffen bestätigt. Neben vier Flusskreuzfahrtschiffen und drei Expeditions-Megayachten werden in Wismar und Warnemünde zwei gigantische Kreuzfahrtschiffe der Global-Class mit 342 Metern Länge und 2.503 Passagierkabinen für Dream Cruises gebaut. Sie haben eine Bruttoraumzahl von 204.000, sind ausschließlich für den asiatischen Markt bestimmt und bieten Platz für bis zu 10.000 Passagiere. Diese „Kundschaft“ reist nämlich gern zu dritt oder viert in einer Kabine. Die eigentliche Herausforderung, so Sprunk, bestehe bei diesen Menschenmengen in der Logistik. Global 1 und 2 sollen 2020 und 2021 ausgeliefert werden. Auf dieser Klasse liege auch künftig der Fokus und ab 2021 ist die Produktion von zwei weiteren Schiffen pro Jahr geplant. „Hier kaufte eine Reederei ihre eigene Werft“, bringt es Sprunk auf den Punkt.

Gebaut wird in Warnemünde das komplette Mittelschiff mit einer Gesamtlänge von gut 216 Metern: Stahlbau, Rohrleitungsbau und Maschine. Anschließend findet in Wismar die „Hochzeit“ mit Bug und Heck statt. Einen Zahn musste der Werftensprecher den Warnemündern ziehen: Die Endausrüstung wird nicht, wie an anderer Stelle behauptet oder gewünscht, in Warnemünde, sondern zu 99 Prozent in Wismar stattfinden. Die Probefahrt führt nach Bremerhaven, wo der Rest ausgerüstet wird. „Wir werden die fertigen Schiff in Warnemünde also nie zu Gesicht bekommen“, so Sprunk. Der Produktionsprozess ist in Wismar und Warnemünde bereits in vollem Gange. Brennbeginn war gleichzeitig am 8. März und die feierliche Kiellegung in Warnemünde ist für den 11. September geplant.  

Natürlich wurden in MV auch schon für die Rostocker Aida-Reederei Kreuzfahrtschiffe gebaut – nur eben in ganz anderen und deutlich kleineren Dimensionen. Zum Vergleich: AIDAaura kommt auf gerade einmal 203 Meter Länge und die Bruttoraumzahl beträgt 42.000!

Ambitionierte Neubauvorhaben sind nur umsetzbar, wenn Personaldecke und Infrastruktur stimmen. Die Personalsuche läuft seit 2016 an allen Standorten auf Hochtouren – mittelfristig will das Unternehmen von derzeit 2.375 auf insgesamt 3.000 Mitarbeiter aufstocken. Auf eine großangelegte Werbekampagne sind bislang 5.000 Bewerbungen eingegangen. Viele der Bewerber sind aus der Region oder kehren zurück in die Heimat. Eine Notwendigkeit, wegen der zusätzlichen Arbeitskräfte bei MV Werften Warnemünde neue Wohngebiete zu erschließen, sieht Sprunk nicht. „Wir reden von insgesamt 1.000 Mitarbeitern in Rostock, von denen 655 schon da sind und die übrigen werden eine Wohnung finden.“ 105 Auszubildende und zwölf Dualstudenten sollen zum 1. September 2018 eingestellt werden – Rekord in Mecklenburg-Vorpommern.
Ein 200-Milionen-Euro-Investitionspaket wurde aufgelegt, um die Schiffbaubetriebe in MV für die neuen Aufgaben fit zu machen. Allein 90 Millionen Euro fließen nach Warnemünde und davon 80 Millionen in einen neuen Hallenkomplex mit Laserpaneel-Schweißanlage zur Dünnblechverarbeitung. Schon im Oktober dieses Jahres soll hier die Produktion anlaufen.

Visualisierung: MV-Werften



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