Seenotretter legen vorerst letzte Rettungseinheit auf Kiel

DGzRS-Inspektor Niklas Deeken, Kiellegungspatin und Spenderin Edeltraut Koschubs, Vormann Horst-Dieter Eder sowie DGzRS-Inspektor Carl Göner kurz vor dem Einlegen der glückbringenden Münze am Bug des jüngsten Seenotrettungsbootes auf der Tamsen Werft in Rostock. (v.l.)DGzRS-Inspektor Niklas Deeken, Kiellegungspatin und Spenderin Edeltraut Koschubs, Vormann Horst-Dieter Eder sowie DGzRS-Inspektor Carl Göner kurz vor dem Einlegen der glückbringenden Münze am Bug des jüngsten Seenotrettungsbootes auf der Tamsen Werft in Rostock. (v.l.)19. November 2019

In ihrem 76-jährigen Leben hat Edeltraut Koschubs schon viel erlebt – die Kiellegung einer neuen Rettungseinheit der Seenotretter gehörte bislang nicht dazu. Heute wurde bei Tamsen Maritim in Rostock das jüngste Seenotrettungsboot der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) auf Kiel gelegt. Mit ihrer großzügigen Schenkung machte die Hamburgerin den 10,1-Meter-Neubau erst möglich.

Einen Teil ihres Vermögens bereits zu Lebzeiten für einen sinnvollen Zweck einzusetzen, ist für Edeltraut Koschubs wichtig. Sinnstiftend ist für sie die Arbeit der Seenotretter: „Bei der DGzRS wird mein Geld gut verwendet. Es hilft mit, Menschenleben zu retten – das ergibt Sinn!“ Die kinderlose Witwe kann sehen und fühlen, was mit ihrer außerordentlich großen Schenkung passiert. Sie kann das Boot anfassen und später über seine Einsätze auf See lesen. Die Seenotretter hat sie über ihren vor einem Jahr verstorbenen Ehemann, Erich Koschubs, kennengelernt: „Er ist mit seinem Boot auf der Ostsee gefahren, es war sein Hobby.“ Und: Als Wassersportler war er immer schon Spender der Seenotretter.

Der Neubau wird einen Namen nach Edeltraut Koschubs Wünschen tragen – welchen genau, wird traditionell erst bei der Taufe verraten. „Wir sind Edeltraut Koschubs sehr dankbar, denn sie versetzt uns in die Lage, den Neubau vollständig zu finanzieren“, hebt DGzRS-Geschäftsführer hervor.

Einer Schiffbautradition folgend legte Edeltraut Koschubs heute auf der Rostocker Werft eine glückbringende Münze in eine Sektion des neuen Seenotrettungsbootes mit der internen Bezeichnung SRB 80 ein. „Erst mit der Münze bekommt das Schiff eine Seele“, klärt Stadeler auf. Die Zehn-Euro-Gedenkmünze „650 Jahre Städtehanse“ der Bundesrepublik Deutschland mit dem Motiv einer Hansekogge soll Schiffbauern und Seenotrettern Sicherheit, Glück und Gesundheit bringen. Während früher ein Geldstück unter dem Kiel lag und in der Bauzeit durch das ansteigende Gewicht plattgedrückt wurde, findet es bei heutiger Bauweise „kieloben“ Platz in einer speziellen Öffnung an einem Bauteil. Die Münze wird das Schiff nie wieder verlassen.

Die Gedenkmünze verbindet zudem vier maßgebliche Orte miteinander: Bremen, Hamburg, Lübeck und Rostock – alles Hansestädte. In Bremen liegt die Zentrale der Seenotretter, in Hamburg lebt die Spenderin, in Rostock wird das Spezialschiff gebaut und in Lübeck-Travemünde wird es stationiert. Voraussichtlich im Herbst 2020 soll das neue 10,1-Meter-Seenotrettungsboot auf der Freiwilligen-Station Travemünde die Hans Ingwersen ersetzen. Diese wird zukünftig als Springer auf wechselnden Station an Nord- und Ostsee im Einsatz sein.

Das neue Seenotrettungsboot ist das vorerst letzte, von insgesamt 14 beauftragten Neubauten des gleichen Typs. Die SRB 80 ist gleichzeitig auch die elfte und vorerst letzte Einheit, die bei Tamsen in Rostock Gehlsdorf gebaut wird. „Jedes Schiff ist eine Einzelanfertigung, denn im engen Schulterschluss mit den Besatzungen haben wir die Rettungseinheiten von Mal zu Mal weiterentwickelt“, sagt Werft-Geschäftsführer Christian Schmoll. Von Seiten seiner Auftraggeber freut er sich deshalb zu Recht über durchweg positives Feedback.

Die modernen Spezialschiffe sind als Selbstaufrichter konstruiert, vollständig aus Aluminium gebaut und ersetzen im Zuge der turnusgemäßen Modernisierung der Rettungsflotte ältere Einheiten. Es handelt sich um modifizierte Nachbauten der bewährten 9,5-/10,1-Meter-Klasse. Diese umfasst heute bereits 30 Einheiten, die auf verschiedenen Werften entstanden sind. Gefahren werden alle von Freiwilligen-Besatzungen. Mehr als 800 der rund 1.000 Seenotretter an Nord- und Ostseeküste sind freiwillige Seenotretter.

Der Bootstyp zeichnet sich durch hohe Seetüchtigkeit aus. In Grundsee und Brandung besitzt er gute See-Eigenschaften, manövriert einwandfrei, übersteht heftige Grundstöße und ist in der Lage, dank des rundumlaufenden Fendersystems auch bei höheren Fahrtstufen und unter erschwerten Bedingungen bei Havaristen längsseits zu gehen.

Bei der Konstruktion wurden umfassende Sicherheitskriterien berücksichtigt. Die neuen Seenotrettungsboote werden mit modernster Navigationstechnik, leistungsstarken Schlepp- und Lenzgeschirren sowie einer umfangreichen Ausrüstung zur medizinischen Erstversorgung ausgestattet.







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