Diese Ausgabe des „WARNEMÜNDERS“ ist dem Winter im Seebad gewidmet. Ein Winter, der den Besuchern und Warnemündern gezeigt hat, dass es trotz Klimaerwärmung noch richtige Minusgrade gibt. Ein Winter, wie er früher normal war, wie ihn die Seniorengeneration noch in guter Erinnerung hat. Man sprach damals nicht vom Chaos. Es war Winter, da zog man sich warm an, auch wenn der eisige Ostwind an den Wangen zerrte.
Plötzlich ist so ein Winter wieder da. Kalt und mit viel Schnee. Man spricht inzwischen von Heldentaten des Winterdienstes. Gewiss, den vielen Schnee beiseite räumen, war sicherlich bemerkenswert, aber ... es ist eben Winter.
In sechs Monaten stöhnen die Menschen vielleicht schon wieder über die unerträgliche Hitze. Gegen Kälte kann sich der Mensch warm anziehen. Bei Hitze kann er kaum etwas tun.
Das Sturm- und Schneetief „Keziban“ hatte es auf Norddeutschland, und spezielle Mecklenburg-Vorpommern, abgesehen. Dazu gesellte sich noch arktische Kälte aus dem Nordosten. Das war der Mix, aus dem die Medien Katastrophen machten. Tatsächlich, ein Schneesturm mit Windgeschwindigkeiten der Stärke 10 über Warnemünde und Rostock, brachte die Autofahrer in arge Bedrängnis. Pkws und Lkws waren diejenigen, die am meisten aushalten mussten. In Warnemünde türmten sich um die parkenden Pkws hohe Schneewehen auf.
Doch so richtig chaotisch, wie einige Radio- und TV-Sender berichteten, war es gar nicht. Die Promenade am Alten Strom war schnell geräumt, damit Spaziergänger, und die gab es tatsächlich, hier promenieren konnten. Auch auf der Strandpromenade ließ die Tourismuszentrale den Schnee schnell so weit beräumen, dass die Spaziergänger nicht durch den 30 cm tiefen Schnee stapfen mussten.
Besucher, die hier gerade einen Kurzurlaub gebucht hatten, kamen entweder gar nicht in Warnemünde an, oder kamen nicht wieder weg. Die Autobahnen waren durch liegen gebliebene Fernlaster blockiert. Trotz Schneebergen an den Straßenrändern, befindet sich Warnemünde im meteorologischen Normalzustand.
Es hat fast vier Wochen gedauert, bis der südliche Alte Strom eine Eisschicht trug. Grund war nicht die fehlende Kälte, sondern vielmehr der Wind, der aus Richtung Süden oder Südost kam. Er verhinderte durch kleinen Wellenschlag immer wieder die Eisbildung. Das eisige Oberflächenwasser wurde aus dem Strom heraus getrieben.
Inzwischen gab es ein paar ruhige Tage und Schnee, an denen sich auf dem Strom eine dünne Eisschicht bilden konnte. Zum Betreten des Eises genügt es jedoch absolut nicht. Nur die Möwen können sich auf dem Eis niederlassen.
Der nördliche Alte Strom mit seinen Fischkuttern und Ausflugsschiffen zeigte bis zu Beginn der letzten Woche überhaupt noch keinen Ansatz zur Eisbildung. Dünne Eisschollen aus dem Windschatten der Kutter wurden sofort in die freie See getrieben. Dafür sorgte der stetige Südostwind. Mitte letzter Woche drehte der Wind auf westliche bis nordwestliche Richtungen und sofort bildete sich auch in diesem Bereich eine weiche Packeisschicht.
Bis zum letzten Freitag hatte sich das Packeis von der Bahnhofsbrücke bis zum Warnemünder Segel Club vorgeschoben. Zu einer Änderung könnte es noch kommen, wenn der Wind auf Nord dreht und die Eisschollen aus der Warnow oder der Ostsee in den Strom treiben.
Der Warnemünder Fischmarkt hatte am letzten Wochenende die wenigsten Besucher der letzten Jahre aufzuweisen. Heftiger Schneefall und eisiger Wind verscheuchten die Gäste. Einige Fischhändler hatten ihre Verkaufsstände gar nicht erst geöffnet.
Frischfisch war nicht zu bekommen, da die kleinen Kutter wegen des Sturmes nicht auf die Ostsee kamen. Die Fische waren nur in Form von Frostware erhältlich. Es handelte sich um „Naturfrostware“, also um Fisch, der in der eisigen Kälte gefroren war.
Am Warnemünder Teepott vor der „Stadtbäckerei Junge“ ein Sonnenbad zu nehmen, gleicht einem sommerlichen Phantasietraum. Der letzte Schneesturm deckte fast die gesamte Freifläche ab. Im Innern gab es zwar heißen Kaffee, aber die Gäste fehlten. Sie trauten sich am letzten Sonnabend nicht bis an den Leuchtturm heran.
Aber der Schneesturm hatte seine „Kunstwerke“ am Teepott hinterlassen. Einen interessanten Ausblick hatten auch die Gäste aus der Teepott-Cocktailbar.
Es war am letzten Wochenende für Warnemünde ein ungewohntes Bild. Kein, oder kaum Autoverkehr auf den sonst viel befahrenen Straßen. Dafür gab es aber entlang aller Verkehrswege volle Parkplätze. Die hier abgestellten Pkws waren durchweg unter einer dicken Schneeschicht vergraben.
In der Fritz-Reuter-Straße dramatisierte sich die Verkehrssituation. Da an beiden Seiten der Straße geparkt werden kann, hatten es Räum- und große Versorgungsfahrzeuge hier besonders schwer. Nur mit größter Vorsicht gelang es ihnen, diese Straße ohne Touchieren der parkenden Pkws zu passieren. An den Kreuzungen wurde es dann nochmals kompliziert, bei fast meterhohen Schneewehen die Straßenecken zu erfassen.
Für viele Boutiquen und Geschäfte am Alten Strom lohnte es am letzten Sonnabend nicht, die Türen zu öffnen. Zumeist waren die Eingänge hoch verschneit, zum anderen hatte kaum ein Kunde Lust, auf diesem eisigen Schneeboulevard einkaufen zu gehen.
Eine Reihe von Inhabern erreichte nicht einmal ihre Geschäfte, da der gesamte Nahverkehr zusammen gebrochen war. Weder S-Bahn noch Busse fuhren an diesem Sonnabend. Erstaunlich war dennoch, dass einige Supermärkte im Ort pünktlich ihre Pforten öffneten.
Das Sturmtief „Keziban“ verursachte an der Warnemünder Bucht ein leichtes Sturmhochwasser. Das Meer stieg bei starkem Seegang aus nördlichen Richtungen auf einen Meter über normal Null. Der Strand wurde dabei leicht überschwemmt.
Kleine Lagunen wurden jedoch rasch vom Schnee überdeckt, so dass sie fast gar nicht mehr bemerkt wurden. Der Schneesturm lockte an diesem Sonnabend kaum eine Menschenseele an das Ostseeufer.
Was noch vor 20 Jahren Gang und Gebe war, nämlich Hunderte von Schwänen in der Warnowmündung, kam in den letzten Jahren gar nicht mehr vor. Es war, als wären die großen Schwankolonien vor dem Schiffsverkehr auf der Warnow geflüchtet. Lediglich ein Schwanenpaar hielt sich in den letzten Jahren am Strom und im Yachthafen auf.
Dieser Tage hatten um die hundert Schwäne wieder die Warnowmündung für sich entdeckt. Im Windschutz der Westmole weiden sie den Grund ab. Auch einige hundert Blässhühner halten sich in der Warnowmündung auf. Dazu gesellten sich noch verschiedene Wildentenarten und viele Kormorane.
Der Schneewinter 2010 hat in Warnemünde auch seine schönen Seiten. Einen verschneiten Strand gab es in den letzten Jahren kaum noch. Skilangläufer am Strand und auf der Promenade schon gar nicht. Auch Brandungseis bildet sich in der Nähe der Westmole.
Besonders begeistert sind die Kinder vom Winter. Sie tollen sich mit ihren Rodelschlitten im Schnee herum. Leider gibt es in Warnemünde keinen Rodelberg. Die Dünen sind soweit abgetragen, dass sie eine Rodelparty nicht mehr zulassen. In früheren Jahren galt die hohe Westmolendüne als eine beliebte Rodelabfahrt.
Der in den Medien angekündigte traditionelle Seglerball im Warnemünder Kurhaus musste 24 Stunden vor dem Start abgeblasen werden. Alle Tische blieben leer!
Die Veranstalter, Akademischer Segler Verein und Warnemünder Segel Club entschlossen sich, angesichts der sehr schwierigen Situation auf den Straßen um Warnemünde den Seglerball abzusagen.
Der Seglerball soll aber, wenn sich das Wetter wieder von einer besseren Seite zeigt, nachgeholt werden. Als Ausweichtermin steht bereits der 06.03.2010. So behalten die verkauften Eintrittskarten ihre Gültigkeit.
Es ist ein gewagtes Experiment, das die Tourismuszentrale und der Kongress- und Veranstaltungsservice Rostock eingegangen sind. Sie organisierten vom 5. bis 7. Februar, gerade zum Beginn der Winterferien, das 1. Warnemünder Wintervergnügen.
Der Bereich zwischen Strand, Leuchtturm und Promenade wird als Aktionsgelände hergerichtet. Am Freitag um 14 Uhr soll es losgehen. Dabei ist an alles gedacht. Zusammen mit den Rostocker Winterbadern können Gäste sogar ein winterliches Ostseebad nehmen. Vorgesehen ist ein Strandfeuer mit Gastronomie und Strandkörben. Pferderennen, Strandreiten, Reiterspiele, Kinderanimation, Strandbuggys am Drachen, Drachenfest und Kutschfahrten sind angesagt, sogar Iglus werden gebaut.
Ein vielfältiger Wintermarkt wird auf dem Leuchtturmvorplatz aufgebaut. Wenn es das Wetter zulässt, gibt es auch eine Spritz – Eislaufbahn in der Größe von 15 x 30 m. Mit zum Wintervergnügen gehört eine Kneipentour inklusive „Leuchtturm – Rock“. Eine überdachte Wintertaverne lädt zum kuscheligen Verweilen ein. Das 1. Wintervergnügen dürfte ein ganz neues Erlebnis für Warnemünde werden. Vorausgesetzt, kein Sturmtief fegt, wie am letzten Freitag, über die Warnemünder Bucht hinweg.
Für einige Menschen scheint es keinen Winter zu geben. In diesen wirklich eisigen Tagen musizierte ein bekannte Straßenmusiker auf der Warnemünder Bahnhofsbrücke.
„La Paloma“ war unter anderem bei der derzeitig eisigen Kälte zu hören. Auch Strauss-Walzer hatte der Musiker in seinem Repertoire. Akkordeon und Trompete waren seine Instrumente. Wahrlich ein Freiluftkünstler der besonderen Art.
Um zu beweisen, wie harmlos die beiden Schneetiefs des Januars 2010 waren, hier ein Schneefoto aus dem Jahre 1978/1979.
Der Sturm fegte damals den Schnee am Alten Strom entlang und ließ ein Durchkommen der Einwohner nicht mehr zu. Warnemünde erstarrte seinerzeit im Schnee.
„Liebe könnte so schön sein, wenn man nicht dauernd stehen müsste und wenn es nicht ganz so kalt wäre.“ Dabei hat das nackte Liebespaar auf der Strandpromenade so gute Möglichkeiten sich hinzusetzen.
Gleich zwei Sonnenbänke stehen hinter dem Paar. Schade nur, dass kein Spaziergänger dem Paar eine wärmende Decke überwirft. Vor vier Jahren hatte jemand Mitleid mit dem nackten Paar, und legte ihm eine Decke um die Schultern.
... Januar weiß ... Sommer heiß! Ich weiß nicht, ob das eine Bauernregel ist, auf jeden Fall reimt sich der Snack. Ich kann jedoch nicht sagen, wie soll man heiß definieren? Wenn ich an meinen letzten Urlaub am Mittelmeer denke, da war er eher warm. Da hatten wir nur knappe 30 Grad. Die sind gerade mal so zu empfinden, wie manche Schwimmbäder im Lande. Ich würde sagen, es wird heiß, wenn die 40 Grad Marke überschritten ist. Dabei frage ich mich, mögen wir denn tatsächlich heiß? Im Grunde lieben wir eine moderate Temperatur um die 25 Grad. Plus versteht sich. Und ich wünsche mir eine Meerestemperatur am Strand von etwa 22 Grad. Da kommt man auch im Wasser nicht ins Schwitzen. Aber wie das so ist mit den Wünschen, alle Wünsche gehen nicht in Erfüllung.
In Erfüllung ging aber der Wunsch nach weiße Weihnachten. Aber was war denn anders, als die vielen grünen Weihnachten vorher? Nichts, außer dass viele Weihnachtsmänner im Schnee ausrutschten. Und nun haben wir Schnee in Massen! Ist es das, was wir wollten? Gut, mal kann es ja schneien, damit die Straßen wenigstens für einige Stunden sauber aussehen und die Schlaglöcher versteckt sind.
Unser Auto musste ich dafür freischaufeln. Anschließend ließ es sich nicht aufschließen. Das Schloss war eingefroren. Meine Frau wollte schon einen Bunsenbrenner holen, aber dann entsann ich mich, dass es ja so kleine Fläschchen mit Türschloss - Enteiser gibt. Siehe da, sie enteisten. Natürlich war auch die Scheibenwischanlage eingefroren. Bei 14 Grad Minus kein Wunder. Ich hatte Waschmittel bis 10 Grad Minus in der Anlage. Ich reagierte sofort! Nun habe ich Frostschutzmittel bis 60 Grad Minus im Tank. Nach zwei Stunden konnte ich endlich fahren.
Das sind so die kleinen Erlebnisse eines Winters, von dem man annahm, dass es ihn nicht mehr gibt. Da sind die Politiker, die uns regieren von ganz anderer Natur. Nun regte einer während des Frostes an, ich glaube, es war ein gewisser Rößler, dass wir auf unsere Krankenversicherung 800 Cent drauf zahlen sollen. Na ja, bei der Kälte ist so mancher krank geworden, auch wenn es nicht gleich die Schweinegrippe war. Aber in dieser frostigen Kälte geht leider niemand auf die Straße, um zu protestieren. Und so kalkulierte der Politiker auch. Mir war es bei dem scharfen Ostwind auch zu kalt. Nun müssen auch noch weitere 800 deutsche Soldaten nach Afghanistan.
Da ist es im Winter auch nicht wärmer!
So richtig freudig ist das nicht, was gegenwärtig in Berlin gebacken wird. Obwohl, die Mehrwertsteuer für Betten zu senken, das war schon eine bemerkenswerte Entscheidung, aber des Volkes Wille war es nicht.
Das meint heute zum Winter 2010 im Allgemeinen und im Besonderen Ihr Warnemünder Gerhard Martens