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Warnemünde: Disput zum geplanten Radwegausbau

An Spitzentagen werden an der Zählstelle in der Parkstraße etwa 6.000 Radfahrer registriert. Bau- und Umweltsenator Holger Matthäus mahnt: „Bei Nichtumsetzung der Planung droht eine verkehrsrechtliche Verbannung aller Radfahrenden auf die viel befahrene Straße.“An Spitzentagen werden an der Zählstelle in der Parkstraße etwa 6.000 Radfahrer registriert. Bau- und Umweltsenator Holger Matthäus mahnt: „Bei Nichtumsetzung der Planung droht eine verkehrsrechtliche Verbannung aller Radfahrenden auf die viel befahrene Straße.“13. Oktober 2017

Heftig diskutierten die Warnemünder auf der letzten Ortsbeiratssitzung am Dienstag über Sinn oder Unsinn des geplanten Radwegausbaus in der Parkstraße. Den Sachstand dazu hatten zuvor Reno Rudek vom Amt für Verkehrsanlagen und Sven Markmann vom beauftragten Planungsbüro Wastra-Plan vorgestellt.

Konkret geht es um den Abschnitt zwischen Einmündung Groß Kleiner Weg bis zum WTC. An dieser Stelle werden die aus Westen kommenden Radler auf die andere Straßenseite umgeleitet und Fußgänger haben den Weg ortseinwärts für sich. Das ist jedenfalls die Theorie, denn in der Praxis, so die einhellige Meinung der Warnemünder, wechselt kaum jemand auf die andere Straßenseite. Die Fahrradspur ist wegen der vielen Unebenheiten, Gullideckel und Pfützen nämlich viel zu unsicher.

Zielstellung ist laut Planer Markmann, dass die Radfahrerführung grundsätzlich der Straßenverkehrsordnung entspricht und dass sie Ansprüchen der Radfahrer und Fußgänger auch tatsächlich gerecht wird. Die Gegebenheiten sind dabei sehr unterschiedlich: Ist der bestehende Fußgänger-Radweg parallel zu Sportplatz und Parkplatz Jugendherberge etwa drei Meter breit, verjüngt er sich auf Höhe der Kleingartenanlagen (KGA) um etwa 20 Zentimeter. Entgegengesetzt verhält es sich mit der Straße, die auf Höhe KGA sechseinhalb Meter und ortseinwärts nur noch etwa sechs Meter breit ist. Das alles musste unter einen Hut gebracht werden. 

Die aktuellen Planungen sehen vor, den Groß Kleiner Weg als Fahrradstraße aufzudehnen und im Zuge dessen eine neue, mit Fußgängern gemeinsame, Querung zu schaffen. Die dort befindliche Ampel soll dann ebenfalls angepasst werden. Im folgenden Abschnitt bis zum Imbisseck rückt der gemeinsame Geh- und Radweg dichter an die Fahrbahn ran. „Die Kleingärtner Am Waldessaum I und II werden dabei nicht behelligt, denn unter ihrem parallel verlaufenden Weg liegen sämtliche Ver- und Entsorgungsleitungen“, betont Markmann. Eine Lösung für die etwa 42 Meter lange Engstelle an der Bushaltestelle Friedhof Warnemünde hatte er noch nicht parat. Weiter geht es in Richtung Osten dann für Radfahrer und Fußgänger getrennt: ein drei Meter breiter Radweg im Norden und ein zwei Meter breiter Fußweg im Süden, beides durch einen Sicherheitsstreifen getrennt. Im Bereich des Straßenabschnittes Sportplatz bis Hotel Stolteraa soll zudem eine neue sichere Querungsmöglichkeit für Fußgänger und Radfahrer entstehen. Der Baubeginn könnte kurzfristig erfolgen.

Als einen „gelungenen Kompromiss“ bewerteten Sven Markmann und Reno Rudek ihre Planung. Doch was meinen die Warnemünder dazu und was geschieht bei Umsetzung dieser Planung mit den Bäumen? Einer vorsichtigen Schätzung von Matthias Ehlers vom Umweltausschuss zufolge würden dem Eingriff immerhin 29 zum Opfer fallen. Betroffen sind sowohl Alleebäume als auch Bäume im Küstenwald. Mit dem Forstamt sei man sich deshalb schon einig geworden, versicherte Sven Rudek und Ersatzpflanzungen seien zwar geplant, nur eben nicht in Warnemünde. Keine guten Nachrichten für die Warnemünder.

„Gab es denn in diesem Bereich überhaupt schon Unfälle mit beteiligten Radfahrern und Fußgängern? Meines Wissens nicht“, hinterfragte Hansi Richert vom Warnemünde Verein, dem sich genau wie vielen anderen Zuhörern der Sinn des Vorhabens nicht erschloss. „Sanieren und dort, wo es unproblematisch ist, erweitern – das wäre effizienter“, so seine Meinung. Rückenwind bekam er von Christian Seifert vom Verband der Gartenfreunde e.V., der die jetzige Situation als „in Ordnung“ einstufte und vom Strukturausschuss: „Wünschenswert wäre eine durchgängige gemeinsame Lösung bis hin zur Mühlenstraße mit Verbreiterungen dort, wo es machbar ist“, so der Vorschlag von Werner Fischer. Einzig Ralf Hammel vom Verkehrsausschuss des Ortsbeirates war „mit der Planung sehr einverstanden.“

Ein Konsens konnte in der hitzigen Debatte noch nicht gefunden werden. Der stellvertretende Beiratsvorsitzende Horst Döring zog schließlich die Notbremse und brach den Disput ab. Das Thema geht also in die Verlängerung.



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